Segelreise 2014 (Teil 2)

Vor ein paar Tagen war ich mit Freunden und Freundesfreunden auf Segelreise in der Dänischen Südsee. Jeden Abend schrieb ich auf, was so passiert ist. Es folgt der zweite von zwei Teilen.

Was bisher geschah …

Tag 4

2808

Gestern saßen wir nach dem Grillen noch lange zusammen und beschallten den Hafen von Lundeborg mit Gelächter. Wir hatten ein breites Themenspektrum: Religion, Essen, Hitler und Heuschrecken. Damit hatten wir wohl alle relevanten Sachverhalte abgesteckt. Hilfreich war dabei auch der selbstgemachte Mexikaner.

Heute schipperten wir weiter durch die Dänische Südsee. Das Hissen der Segel geht mittlerweile viel schneller als noch am ersten Tag. Immer mehr Seile kommen mir bekannt vor. Das hilft nur leider alles nichts, wenn man gegen einen Mast rennt. Sagen wir so, das ist einem Freund heute passiert. Der hat Sterne gesehen und ist jetzt noch etwas benommen (das Schreiben fällt ihm schwer).

Wir segelten heute bis Omø, wo wir mit komplizierten Manövern anlegten. Die Insel ist wunderschön. Es gibt viele Mirabellen, Katzen und einen Leuchtturm. Alles wunderschön. Morgen früh werde ich bestimmt noch mehr erkunden.

Tag 5

2908

Heute war ein ereignisreicher Tag. Das Wetter war das erste Mal richtig mies. Starker Wind und Regen auf hoher See mit mir am Steuer. Wer war nochmal John Maynard?

Steuern schön und gut, aber das Ereignis, das alles andere in den Schatten stellt, war eine waschechte Piratenhochzeit. Freunde haben ziemlich spontan geheiratet. Die Zeremonie fand auf der Pippilotta statt, durchgeführt vom Kapitän. Der hatte heute die ganze Fahrt so geplant, dass die Zeremonie bei Sonnenuntergang vor einem Leuchtturm stattfinden konnte. Definitiv die schönste Hochzeit, die ich je erlebt habe!

Jetzt liegen wir im Hafen von Bagenkop auf Langeland. Morgen früh steuern wir Marstal an, wo wir dann eine Weile bleiben. Dann ist Nachtsegeln angesagt.

Tag 6

3008

Rauhe See! Nachdem es gestern geschifft hat wie aus Kannen, also aus großen Kannen ohne Schnulle, gab es Heute Windstärke 4. Da ging es holterdipolter, weshalb auch das Nachtsegeln ausfällt. Ich habe Superpep verteilt, aber bei einigen hat das nicht viel gebracht. Ich habe heute gelernt, dass mir starkes Schaukeln nichts ausmacht, zumindest nicht heute. Möglicherweise ist an mir ein Extremsportler verloren gegangen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass mir beim Kopfstoßen irgendein Verbindungsstück, das das Hirn am Schädel hält, abgebrochen ist und jetzt alles passend zum Seegang rumschwappen kann.

Jetzt sitzen wir gerade zum letzten Mal dieser Reise zusammen im Hafen von Marstal und freuen uns darüber, wie schön es war. So schön, dass wir bereits die nächste Reise planen.

Tag 7

3108

Kappeln liegt vor uns, die Reise ist fast vorbei. Sieben Tage Freiheit auf der Pippilotta. Da kommt man schon ins Grübeln, was das eigentlich heißt. Denn Freiheit bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur frei zu sein von den Zwängen des Alltags und seinen Lästigkeiten. Nein, Freiheit heißt hier auch freiwilliger Verzicht, und zwar auch auf Sachen, die den Alltag erträglicher machen. Alles Leben und jede Interaktion beschränkte sich fast ausschließlich auf das Schiff. Das war ziemlich angenehm. Das müsste man öfter machen.

Autor: Stefan

Japanologe, Deutsch-als-Fremdsprachler, Blogger, Schatzsucher. Hobbys sind Lesen, Gucken und Machen.

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